Auch in diesem Mobilfunkzweig blieb die Weiterentwicklung nicht aus. In den 90iger Jahren entwickelte sich der digitale Bündelfunk – Tetra. Auf den Markt ging dieses im Jahr 1995. Durch die Digitalisierung des Netzes sollten eine effektivere Frequenznutzung sowie bessere Sprachqualität und höhere Datenübertragungsraten erreicht werden. Wie die öffentlichen Mobilfunknetze nutzt auch Tetra das TDMA (Time Division Multiple Access) Übertragungsverfahren, welches eine Datenübertragung mittels Zeitschlitze vorsieht. Mit Einführung der digitalen Variante Tetra wurde ein energiesparendes Verfahren entwickelt. Dies hat den Vorteil, dass die Funkgeräte eine längere Leistung aufweisen. Energie wird eingespart, da die Leistung der Mobilfunkgeräte nach Empfang des Funksignals auf das Notwendigste reduziert wird. Neben den Diensten der analogen Bündelfunksysteme können über das digitale Netz ferner folgende Dienste in Anspruch genommen werden: paketorientierte Datenübertragung, Roaming und Handover. Tetra nutzt die Frequenzen 380 MHz bis 400 MHz. Tetra vereint die Eigenschaften von Bündelfunk und Mobilfunk.
Der Gruppenruf ermöglicht eine Kommunikation mit mehreren Mobilfunkteilnehmern. Ähnlich wie bei Push-to-Talk kann eine beliebige Gruppe zusammengestellt werden. Dieser wird per Knopfdruck die Sprachnachricht zugesandt. Neben den Gruppenrufen sind auch Einzelrufe möglich und zwar innerhalb des Mobilfunknetzes und auch in das deutsche Festnetz.
Da auch viele Sicherheitsunternehmen und Behörden Tetra nutzen, spielt der Sicherheitsaspekt eine sehr große Rolle. Die Daten werden bei Tetra immer verschlüsselt übertragen, so dass ein Abfangen und Abhören der übermittelten Daten praktisch nicht möglich ist. Durch die Identifizierung der Mobilfunkgeräte kann ausgeschlossen werden, dass sich fremde Endgeräte in das Funknetz einbuchen. Eine andere Sicherheitsmaßnahme ist das Ausschalten der Endgeräte, wenn ein unbefugter Zugriff zu verzeichnen ist oder das Funkgerät gestohlen wurde. Sind die Geräte deaktiviert, ist folglich keine Identifizierung und somit kein Zugang zum Funknetz möglich.
Neben der normalen Sprachkommunikation ist eine umfangreiche Datenübertragung mit vielen Diensten möglich. Gerade im Bereich der Polizei und der Taxiunternehmen spielen Statusmeldungen eine wichtige Rolle. So kann ein Taxifahrer seiner Zentrale melden, ob er verfügbar ist oder ob er möglicherweise gerade Fahrgäste im Fahrzeug hat. Auch Bereitschaftspolizisten können mittels dieser Meldungen ihren Bereitschaftsstatus übermitteln, so dass die Notrufzentrale weiß ob sich die Kollegen momentan im Einsatz befinden oder einsatzbereit sind.
Was im öffentlichen Mobilfunknetz der SMS-Dienst ist, stellt in den nicht-öffentlichen Netzen der SDS-Dienst (Short Data Service) dar und bietet auch hier eine schnelle und einfache Alternative, Nachrichten abzusetzen. Kurznachrichten können an einzelne Teilnehmer oder auch an definierte Gruppen versendet werden. Bei der Polizeiarbeit kann die Versendung von SDS an Gruppenteilnehmer als großer Vorteil gesehen werden, denn Fahndungsinformationen die nicht regional begrenzt sind, können auf diesem Wege schnell verbreitet werden, ohne das Informationslücken entstehen.
Über die meisten Endgeräte können Intranetzugriffe ermöglicht werden. Dadurch kann beispielsweise direkt auf Datenbanken zugegriffen werden. Auch hier ist als Beispiel die Polizei zu nennen. Führerscheininformationen können so direkt und schnell vor Ort aufgerufen werden. Eine mündliche Auskunftsanfrage über die Polizeizentrale ist somit nicht mehr notwendig.
Weiterhin ist die Übertragung von Bildern sowie das Ausführen von WAP-Anwendungen möglich. Über das WAP-Portal können jederzeit Informationen über das Internet abgerufen werden.
Die volle Funktionsweise von Tetra lässt sich an einem Polizeieinsatz erklären. In der Leitstelle geht ein Notruf ein. Die notwendigen Informationen werden an die verfügbaren Einsatzkräfte weitergegeben. Dies geschieht in den meisten Fällen als Kurznachricht, also SDS, an alle Gruppenteilnehmer, denn bei einer Gruppennachricht erhält jeder Teilnehmer die gleichen Informationen und Missverständnisse und Informationsverluste können ausgeschlossen werden. Nach einem abgeschlossen Einsatz haben die Beteiligten die Möglichkeit den Einsatzbereicht an die Leitstelle zu übertragen.